Enraged Minority aus Rheinfelden sind eine „wütende Minderheit“ der man gern sein Ohr leiht. Zumindest, wenn man wie ich auf guten Punk Rock mit kämpferischen, linksgerichteten Texten steht. Da es an Redskinbands in Deutschland ja nicht gerade wimmelt, bin ich fast selbst überrascht, das es so lange gedauert hat, das sie hier in mein Heft gefunden haben. Ihr Debut-Album ist ja nun schon ewig draußen, aber durch einiges Chaos, sowohl bei mir, wie auch bei ihrem inzwischen verblichenen Label Diffidati Records, dauerte es ewig, bis ich es endlich in meinen gierigen Grabschhänden hatte. Zudem schaffte ich es noch, sie zweimal hintereinander zu verpassen, als sie in meiner Nähe auftraten. Erst letztes Jahr hatte ich endlich das Glück, sie im SO36 mal live zu sehen und mit ihrer sehr geilen CD und einem frischen live Eindruck ausgestattet stürzte ich mich dann in dieses Interview um auch meine Leser an meiner Begeisterung teilhaben zu lassen. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an die Band, die sich viel Zeit nahm, um meine Fragen ausführlich zu beantworten…

Enraged Minority existieren seit 2007. Wie habt ihr euch zusammengefunden? Spielt ihr noch in Orginalbesetzung oder hat sich das Line Up zwischendurch geändert? Hatte jemand von euch schon zuvor Erfahrungen in einer anderen Band gesammelt?

Die Idee zur Gründung von ENRAGED MINORITY entstand im Herbst 2007 durch Daniel (Sänger) und Adrian. Hinzu kam Niklas, der damals zusammen mit Adrian in einer lokalen Punkband spielte. Harry, ein guter Freund und eigentlich Gitarrist einer lokalen HC-Band, wollte sich am Schlagzeug versuchen und komplettierte unser erstes Line-Up. In dieser Formation spielten wir gut zwei Jahre bis etwa zum Jahreswechsel 2009/10. Leider entwickelten sich damals die Vorstellungen über die Zukunft der Band auseinander und deshalb beschlossen wir nach einem Bandgespräch ohne Harry weiterzumachen. Zum Glück fanden wir aber relativ schnell einen, sowohl musikalisch, als auch in Bezug auf die Vernichtung von Genussmitteln, würdigen Nachfolger namens Daniel. Dieser Besetzungswechsel war bisher der Einzige in unserer mittlerweile über vierjährigen Bandgeschichte. Wir hoffen, dass wir in dieser Besetzung auch noch einige Jahre weitermachen werden, da wir uns sowohl musikalisch als auch zwischenmenschlich alle sehr gut verstehen.

Auf eurem Bandlogo sind die drei Pfeile von RASH zu sehen. Und ich hab auch den Eindruck, das ihr euch explizit als Redskin-Band seht. Was bedeutet das für euch?

Ja, das ist richtig. Auch wenn wir nicht alle Skins sind, kann man die Band wohl getrost in diese Ecke stecken. Wir haben uns alle schon lange vor der Bandgründung und auch bevor die Haare kürzer wurden, mit dem, was in der Welt um uns herum passiert, auseinandergesetzt, unsere Meinung dazu entwickelt und auch dementsprechend gehandelt. Auch wenn eben Teile von uns im Laufe der Jahre in die Skinhead-Subkultur hineingewachsen sind und somit auch eine gewisse Identifikation damit entstanden ist, ist es doch auch selbstredend, dass man sein gesellschaftliches und politisches Bewusstsein nicht plötzlich in den Keller sperren kann, nur weil sich das angeblich so gehört wenn man sich die Haare schert.
Die Skinhead-Subkultur kommt von Anfang an aus der Arbeiterklasse, ist irgendwo rebellisch, lehnt sich gegen die ganzen gesellschaftlichen Verhaltensmuster auf und stellt sich diesen auch provokativ entgegen. Warum zur Hölle verirren sich dann trotzdem soviel Leute in die Szene, um sich dann selbst neuen Zwängen zu unterwerfen?
Kaum sind die Haare ab, probiert man akribisch allem zu entsprechen was man für Skinhead hält. Bei so vielen dieser Affen ist die komplette Erscheinung aufgesetzt, da wird um die Wette geprollt, und mit aller Genauigkeit versucht, dem Ideal vom perfekten Skinhead zu entsprechen. Tja und leider hat da wohl auch mal jemand beschlossen, dass es sich nicht gehört, sich in irgendeiner Weise Gedanken zu Politik zu machen, oder sich geschweige denn dazu zu äußern. Daher kann man bei diesen Musterbeispielen auch apathische Angstzustände herbeiführen wenn man sie mit irgendetwas konfrontiert, was sie als politisch auffassen könnten. Die Ärmsten dürfen zu dem bösen, verbotenen Thema dann auch nicht viel mehr außer „Politik ist scheiße“ sagen, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Selbstverständlich zieht aber jeder von denen sein eigenes Ding durch, lässt sich von niemandem was vorschreiben und ist schon gar niemandem Rechenschaft schuldig. Als wir in diese Szene kamen, haben wir im Vergleich zu einem Großteil dieser Subkultur unser Gehirn eben nicht an der Türe abgegeben, sondern die Frechheit besessen, unsere eigene Meinung weiterhin zu vertreten und damit sind wir dann eben in der RASH Ecke gelandet, was sich eben auch in der Band wieder spiegelt.

Wie ich im Booklet eures Albums gesehen habe, habt ihr da die Logos der Rude Connexion Family und der Swabonian antifascist Punkrock Crew drin. Seit ihr in beiden Crews Mitglied oder „nur“ in Kontakt?

Alter, die Crews sind Mitglied bei uns! Nee, im Ernst: Die „Rude Connexion Family“ ist ein Zusammenschluss von Redskins im Osten Frankreichs, hauptsächlich in der Region Nancy / Metz /Epinal. Erstmals kamen wir mit den Leuten in Kontakt, als jemand von uns zwei Mitgliedern von ihnen in einer wüsten Schlägerei den Arsch gerettet hat. Beim anschließenden Krankenhausgang ist eine Freundschaft entstanden und seitdem stehen wir mit diesen Leuten relativ eng in Kontakt. Auf Wunsch von Julien von Casual Records welcher ebenfalls Teil der RCF ist, haben wir ihr Logo in unser Booklet übernommen.
Die „Swabonian Antifascist Punkrock Crew“ war ein Zusammenschluss von Bands, die unter klarer Fahne spielen wollten und sich gegenseitig unterstützen z.B. Konzerte organisierten oder vermittelten. Neben uns waren „Forbidden Kings“, „Wasted Youth“, „Ofisboyz“ und die „Produzenten Der Froide“ Bands dieser Crew. Mittlerweile geht da allerdings nichts mehr, weshalb man das Projekt wohl als tot bezeichnen kann.

Ihr kommt ja aus Rheinfelden, in Baden. Da liegen ja Frankreich und die Schweiz quasi um die Ecke. In Frankreich gibt es eine recht große und aktive Redskin-Szene. (Ihr habt ja auch live auf dem Siempre Antifascista z.B. we are the reds von Brigada Flores Magon gecovert). Der Einfluß der französischen Redskinszene ist groß. Aber über die Schweiz weiß ich in dieser Beziehung gar nichts. Habt ihr Szenemäßig dorthin Kontakte?

Die schweizer Skinhead-Szene ist wie in Deutschland auch größtenteils unpolitisch, was natürlich die üblich Begleiterscheinungen in Bezug auf Rechtsoffenheit mit sich bringt. Aber wie überall gibt es auch in beinahe jeder schweizer Stadt fitte Leute, mit denen wir auch teilweise mehr oder weniger in Kontakt stehen.. In Genf, also der französischen Schweiz, gab es ja etliche Jahre das „Rude Boys & Girls Unity Festival“, welches im Juni 2011 nach sechs Jahren Unterbrechung wiederbelebt wurde und nun wieder alle zwei Jahre stattfinden soll. Das Rude Boys & Girls Unity stellt eines der wichtigsten Redskin-Festivals Europas dar und wird 2013 definitiv wieder eine Reise wert sein. Zumal es von uns aus gerademal 250km sind!

Im Booklet eures Debut Albums ist vorn ein Mann abgebildet. Mit der Unterschrift: „1952 –2009 Du wirst immer bei uns sein.“ Wer ist das?

Der Mann auf der ersten Seite unseres Booklets ist der Vater von Daniel (Sänger) und Adrian. Er ist im Dezember 2009 gestorben. Mit dieser Widmung wollten wir ihm gedenken.

„Working Class“ – heißt einer eurer Songs. An plakativem „working class“ Getue fehlt es in der Skinheadszene ja nicht gerade. Aber ihr habt diesem Song einen explizit politischen Inhalt gegeben. Was ich sehr gut finde. Habt ihr damit schon emotionale Reaktionen auslösen können? Zum Anderen gibt es ja gerade in kleinbürgerlichen Kreisen Leute die meinen, es gäbe gar keine Arbeiterklasse mehr und wenn, dann wäre sie alles andere als Antifaschistisch und Antikapitalistisch. Wie geht ihr damit um?

Working Class ist genaugenommen unser allererster Song, den wir geschrieben haben. Da wie du richtig festgestellt hast, der Begriff von weiten Teilen der Skinheads vollkommen entpolitisiert verwendet wird, wollten wir, gerade weil der Begriff ein explizit politischer ist, zeigen, dass Working Class eben mehr ist als nur arbeiten zu gehen, sich die Haare zu scheren und die Hose hochzukrempeln. Einerseits finden wir es natürlich schade, dass Working Class meist nur plakativ verwendet wird und dass wir in entsprechenden Diskussionen oft bei Adam und Eva anfangen müssen, andererseits sind wir auch tatsächlich froh, dass der Begriff überhaupt noch Verwendung findet. Nicht auszumalen wenn stattdessen nur noch Begriffe wie beispielsweise „Nation“ in der Szene abgefeiert werden würden. So sind Skinheads anders als weite Teile der Arbeiterklasse wenigstens für diesen Begriff sensibilisiert.
Wir empfinden es gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Situation, die gerne als „Krise“ bezeichnet wird und von welcher die gesamte Finanzwelt überrascht tut, umso wichtiger hier einen klaren Standpunkt zu beziehen. Schließlich ist es doch so, dass dies kein unvorhersehbarer Einbruch war, sondern „Finanzkrisen“ schlichtweg zur kapitalistischen Normalität zählen und solange wir diese Wirtschaftsordnung ertragen müssen, Krisen auch immer wiederkehren werden. Umso trauriger ist es, dass weite Teile der Arbeiter soziale Kürzungen auf allen Ebenen hinnehmen, um „ihr“ Deutschland als Standort attraktiver zu machen oder um künstlich die Nachfrage zu steigern, was man ja ganz gut bei der Abwrackprämie beobachten konnte. Es wird geglaubt, dass wenn die Wirtschaftskrise nicht durch die Vergesellschaftung von den Milliardenverlusten aufgehalten wird, unser gesamtes gesellschaftliches Leben den Bach runter geht. Während ein vielfaches dieser Verluste davor und auch jetzt schon wieder als private Gewinne ausgeschüttet werden, welche nur durch das hochschaukeln von spekulativen Werten ermöglicht werden, die ja erst dazu geführt haben, dass der auf wackligen Beinen stehende Finanzsektor wiedereinmal eingebrochen ist.

Das dramatische Resultat ist, dass jetzt wieder jeder meint, zusammenrücken zu müssen, den Gürtel enger zu schnallen und erst einmal das eigene Land wettbewerbsfähiger zu machen und die breite Masse damit einhergehend immer offener für rechtes Gewäsch wird. Das ist leider nicht nur in Deutschland zu beobachten. Daher empfinden wir es gerade jetzt umso wichtiger aufzuzeigen, dass man eben nicht in Nationen, sondern in Klassen denken muss und somit als Arbeiter unvermeidbar die eigenen Interessen vertritt, wenn man eben ein internationalistischen, antifaschistischen und antikapitalistischen Gedanken pflegt.
Wir haben mit diesem Song schon verschiedenste Reaktionen ausgelöst. Größtenteils sind diese positiv, doch kam es auch schon vor, dass Leute dafür überhaupt kein Verständnis oder Sympathie aufgebracht haben. Oft kommen diese negativen Reaktionen von den von Dir erwähnten Leuten aus kleinbürgerlichen Kreisen, die sich in die linke Subkultur verirrt haben.
Ansonsten ist unser Umgang damit ist, dass wir für gewöhnlich unseren Standpunkt auch in Diskussionen vertreten. Wollen die Leute aber gar nicht diskutieren, sondern uns nur den schwarzen Peter zuschieben, dann belächeln wir diese Idioten und lassen sie rechts liegen.

Der Song „Customs Officers“! Es geht um Polizisten, die Menschen jagen, welche sich „illegal“ in Deutschland aufhalten. Ihr hattet in Berlin im SO 36 eine gute Ansage dazu gemacht. Könnt ihr dazu noch etwas mehr sagen?

Der Song „Customs Officers“ war ebenfalls einer unserer ersten Songs. Als wir ihn geschrieben haben, war es bei uns in einigen Städten im Zollgrenzbezirk zu der Schweiz und Frankreich fast täglich zu beobachten wie BGS und Zoll immer wieder Menschen auf Grund ihrer dunklen Hautfarbe, eines Kopftuchs oder sonst irgendwelchen äußeren Merkmalen kontrollierten. Neben den rassistischen Stereotypen auf Grund von welchen solche Kontrollen durchgeführt werden, ist die Motivation dahinter ganz klar, Menschen die gegen die Residenzpflicht verstoßen oder die gar keine Aufenthaltsbewilligung haben, aufzugreifen und sie ohne jede Rücksicht abzuschieben. Der Text entstand aus einer persönlichen Wut darüber, wie es diese Menschen mit ihrem Gewissen vereinbaren können, soeben vielleicht das Todesurteil für eine gesamte Familie unterschrieben zu haben und im nächsten Moment nach Hause kommen und seine Kinder in denn Arm zu nehmen.

Ihr habt auch der EZLN einen Song gewidmet.. Wie seid ihr auf das Thema gekommen? Die EZLN ist ja in den Medien derzeit nicht so präsent. (Meine eigenen Sympathien für die EZLN sind seit 2001 arg zurückgegangen, als Subcommandante Marcos im bürgerlichen Parlament von Mexico eine Rede halten durfte, und erklärte er sei „radikal, aber kein Revolutionär“, und er eine Autonomie als Sieg feierte, die unter kapitalistischen Verhältnissen, meiner Meinung nach, an der Armut in der Region überhaupt nichts ändern wird.) Wie seht ihr dieSituation derzeit in Mexico?

Auf die Thematik sind wir schon einige Jahre vor der Gründung der Band gekommen. Wie es dazu genau kam, können wir dir auch nicht mehr sagen, wobei es ja auch nichts außergewöhnliches ist, dass Leute, die sich innerhalb der Linken bewegen, mit dieser Bewegung in Berührung kommen. Ein Hauptgrund warum wir diesen Song geschrieben haben, ist eben der Fakt, dass die öffentliche Aufmerksamkeit für die zapatistische Bewegung in letzten Jahre immer weiter zurück gegangen ist. Wir wollten dem wenigstens im Rahmen unserer beschränkten Möglichkeiten entgegenwirken. Es ist doch schließlich so, dass es der Regierung und den regierungsnahen, rechtsgerichteten Paramilitärs je weniger die mexikanische und die weltweite Öffentlichkeit ein Auge auf die Vorgänge im lakandonischen Regenwald haben, leichter fällt, ihren brutalen repressiven Kurs gegen die Zapatisten zu fahren. Gerade seit die Zapatistas, auf Wunsch der Bevölkerung nur noch einen politischen Kampf führen, ist eine breite Öffentlichkeit für sie umso wichtiger. Mehrfach konnten Offensiven der Regierung wie z.B. im Februar und März 1995 nicht weiter geführt werden, weil der öffentliche Druck und die Solidarität mit den betroffenen Gemeinden national und international zu groß waren. Außerdem wollten wir den Aufstand von 1994 würdigen. Wenige Stunden nach dem Inkrafttreten des NAFTA Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko, welches die Lebenssituation der einfachen und der indigenen Bevölkerung in Mexiko weiter zu verschlechtern drohte und gegen welches Jahre des friedlichen Widerstands ergebnislos waren, erhoben sich – trotz ständiger blutiger Repressionen – tausende Zapatistas der EZLN dagegen. Es ist ihnen immerhin bis heute gelungen, einen Teil der damals besetzten Gebiete, als autonome Bezirke zu halten. Auch wenn wir die Autonomiegebiete begrüßen, stimmen wir dir zu, dass es nicht möglich sein wird, die Armut in der Region alleine durch die Autonomie zu beenden, so ist es durch sie immerhin ermöglicht worden, in den zapatistischen Territorien ein basisdemokratisches System und die einzigen Einrichtungen in Mexiko zu errichten, in welchen es freie Bildung und medizinische Versorgung für alle Menschen (auch für Leute, welche die Zapatisten nicht unterstützen) gibt. In diesem Bereich konnte auch eine tatsächliche Verbesserung erreicht werden. Vor dem Aufstand, war das Bildungs- und Gesundheitsniveau auf einem wesentlich schlechteren Stand. Viele Menschen, gerade auch Kinder sind an eigentlich leicht zu behandelnden Krankheiten gestorben, was ja mit ein Grund für den Aufstand war.
Dass die EZLN sich mit den Autonomiegebieten zufrieden gibt und nicht mehr die Überwindung der kapitalistischen Staatsordnung mit allen Mitteln verfolgt, hängt ja auch mit ihrem basisdemokratischen Selbstverständnis zusammen. Schließlich verlangte die Zivilbevölkerung ja von der EZLN die Waffen nieder zu legen und einen politischen Kampf zu führen. Mit diesem Selbstanspruch, der ja kein negativer ist, blieb ihnen ja auch kaum eine andere Wahl, als aus der aktuellen Situation das Beste heraus zu holen und weiterhin auf Missstände aufmerksam zu machen. Die von dir erwähnte Aussage von Marcos konnten wir leider nur auf einer einzigen Homepage finden, die auch sonst sehr bemüht schien die Bewegung in ein schlechtes Licht zu rücken, daher können wir dazu auch nicht viel sagen.
Im Dezember 2000 wurde ja die PAN nach über 70 Jahren unter der PRI die Regierungspartei in Mexiko. Vincent Fox, neuer Präsident Mexikos, lies damals ja immer wieder verlauten, er wolle allen Forderungen der Zapatisten entsprechen, das Militär aus den entsprechenden Gebieten abziehen und die Abkommen von San Andrés umsetzen. Daher gab es zahlreiche Personen aus der bürgerlichen aber auch aus der radikalen Linken, sowie NGOs und Menschenrechtsorganisationen, die in die Machtübernahme der PAN große Erwartungen steckten. Zu dieser Zeit war dann eben auch der Marsch für die indigene Würde, welcher in Mexiko-Stadt endete, wo die Delegation der EZLN und ihre Begleiter von über 200.000 Menschen empfangen wurden. Nach langem hin und her durfte die EZLN dann doch im bürgerlichen Parlament Mexikos sprechen, wobei die zentrale Ansprache von Comandanta Esther gehalten wurde, welche versuchte die Interessen der Zapatistas zu vertreten. Seitens der Zapatisten wurde auch nach der Machtübernahme durch die PAN immer wieder betont,dass ihr Kampf nicht einer Partei gegolten hat, sondern dem politischen System. So schwebten sie auch nicht, wie viele Andere in Hoffnungen an einen Präsidenten, der zuvor Coca-Cola Manager war und der kein Hehl daraus machte, eine neoliberale Politik zu verfolgen. So versprach er im Wahlkampf 7% Wirtschaftswachstum, was er unter anderem dadurch erreichen wollte, den Süden des Landes mit Billiglohnfabriken zu überziehen.
Bevor wir hier jetzt aber noch mehr schreiben, ein kurzes Resümee: Auch wenn wir es ebenfalls so sehen, dass es auch Kritikpunkte an den Zapatistas gibt, so sind wir im Großen und Ganzen solidarisch mit der Bewegung.

Fence Sitter Cunts! – Euer Anti-Grauzone Song. Unsere lieben „Freunde“ aus der Grauzone halten uns ganz schön auf Trapp. (Manchmal erheitern sie uns natürlich auch). Im Gegensatz zu bekennenden Nazis sind sie oft schwer auszumachen, bezeichnen sich oft sogar selbst als Antifaschisten und haben dabei keine Probleme sich mit Nazis einzulassen. Das ist aber nicht immer für Außenstehende sofort durchsichtigt. Da gibt es viel Verlogenheit, Inkonsequenz und Heuchelei. Wie schützt ihr euch als Band vor zweifelhaften Anfragen/Veranstaltern/Fans etc. Wo informiert ihr euch? Oder haben eure klaren musikalischen Statements solche Leute bisher wirksam abschrecken können?

Die meisten Konzertanfragen bekommen wir über Leute, die wir seit Jahren persönlich kennen und bei denen wir sicher sind, dass das Konzert und die beteiligten Bands in Ordnung gehen. Deshalb ist eine Recherche meist hinfällig. Trotzdem erhalten wir auch immer wieder Anfragen von Leuten die wir nicht kennen. In diesen Fällen schauen wir uns den Laden, die anderen Bands und den Veranstalter ein wenig genauer an. Hierbei recherchieren wir im Netz über alle Beteiligten. Wenn wir etwas Zweifelhaftes entdecken, kommen wieder unsere Freunde und Kontakte ins Spiel, die wir zu dieser Problematik befragen und uns ihre Meinung einholen.Wir haben auch schon diverse Konzerte abgesagt bzw. die Anfragen abgelehnt. Zum Beispiel verzichteten wir auf ein Konzert in Paris mit der Band „HardXTimes“, da wir die rechten Positionen, die hauptsächlich ihr Sänger Phil Wagner vertritt, nicht tolerieren wollen. Wir verzichteten auf ein Gig in irgendeiner französischen Kneipe, die einer unpolitischen Kapelle die Möglichkeit zu proben bot, die sich nicht wirklich von rechts abgrenzte.
Auch haben wir ein Konzert im Basler Squat „Villa Rosenau“ mit einer französischen Grauzonenkapelle namens „Les Morlocks“ abgesagt, nachdem wir uns über die Band schlau gemacht hatten. Trotz unserer ausführlichen Begründung warum wir nicht mit Bands spielen, die nur ein paar Wochen später Hauptorganisatoren eines „Condemned 84“ Konzertes waren, fand das Konzert wie geplant statt.
Es gab aber auch schon ein Fall, in welchem wir ein Konzert, was wir eigentlich nicht annehmen wollten, doch gespielt haben. Und zwar war das ein Gig mit „Discipline“ in einem zwar kommerziellen aber doch eher linkslastigen Laden. Wir hatten damals beschlossen das Konzert zu spielen, um unsere Botschaft einem großen Publikum zu präsentieren, dass uns sonst nicht anhören würde. Wir haben also vor größtenteils unpolitischem Publikum klare Ansagen zu Liedern wie „Working Class“ und „Fence Sitter Cunts“ gemacht und sind mit einer Antifafahne auf die Bühne und haben unterstrichen, dass jeder der sich selbst Antifaschist nennt, einen organisierten Antifaschismus als Notwendigkeit akzeptieren sollte.
Die Reaktionen darauf waren überraschenderweise größtenteils positiv und es gab mehrere Leute, die nach dem Konzert auf uns zukamen und sagten, dass sie gewisse Dinge noch nie von dieser Seite betrachtet hätten. Auch wenn wir am selben Abend noch jemanden unsanft des Ladens verweisen mussten, war es aus dieser Sicht betrachtet nicht verkehrt den Gig zu spielen, auch wenn wir nicht wissen, ob wir die selbe Entscheidung erneut gleich treffen würden. Es ist eben manchmal eine Gratwanderung, auf der einen Seite seinen Standpunkt gerade auch vor Leuten zu machen die nicht sowieso schon alles aus der selben Perspektive betrachten, auf der anderen Seite aber auch seinen Idealen treu zu bleiben, um sich bei diesem ganzen kommerziellenGrauzonenkarneval nicht missbrauchen zu lassen.
Was Konzertbesucher angeht, kommt es immer wieder vor, dass sich komische Leute an unsere Konzerte verirren und dann total vor den Kopf gestoßen sind, wenn wir beispielsweise an einem Soli-Abend für Antifaschisten in Russland, denn wir organisierten, eine Leuchte mit „Condemned 84“-Shirt und „Good Night Any Side“-Aufnäher nach Hause geschickt haben.

Auf eurem Debut Album ist auch eine Coverversion von „It’s Up To You“ (Blaggers I.T.A.). Das fand ich echt große klasse, da diese Band sehr einflußreich war, und ich immer das Gefühl hatte, das sie in den letzten Jahren mehr und mehr in Vergessenheit geraten sind. Warum habt ihr diesen Song ausgewählt und ihn auf euer Album mit raufgepackt?

Unter anderem genau deshalb, weil wir ebenfalls nicht wollten, dass eine wichtige und großartige Band wie die Blaggers, die ja leider auch nicht mehr aktiv ist, in Vergessenheit gerät. Zudem ist „It’s Up To You“ einfach ein klasse Song, der es ohne Frage wert ist, gecovert zu werden. Die Blaggers waren, um nochmal auf ihre Bedeutung zurück zu kommen, ja nicht nur in musikalischer Sicht eine sehr wichtige Band. Auch ihr Engagement in der englischen Antifaszene wollten wir mit diesem Cover würdigen. Außerdem kennen wir die Jungs, oder besser die alten Männer ;-) persönlich, Matt zum Beispiel korrigiert unsere Texte und Olaf singt hin und wieder den Song live mit uns auf der Bühne. Das ist immer ein riesen Spaß, auch wenn wir ihn manchmal mit unserer Geschwindigkeit aus dem
Konzept bringen, haha.

Zukunftspläne und letzte Worte?

Unsere Zukunftspläne sind wie immer höchst spektakulär: Demnächst wird unsere Split 7“ mit der französischen Redskin-Band „Streets Of Rage“ aus Nancy veröffentlicht werden.
Außerdem wollen wir weiterhin Konzerte spielen, neue Leute und Städte kennenlernen, alte Freunde wiedertreffen, uns mit ihnen das ein oder andere Bierchen genehmigen und den neusten Szenetratsch auszutauschen. Zudem arbeiten wir an neuen Liedern, um in absehbarer Zeit ein zweites Album zu veröffentlichen, was wohl alles was die Menschheit bis dato gesehen hat, in den Schatten stellen wird.

Danke an Dich für dieses Interview und noch ein Lob für dein Fanzine, für welches wir uns tatsächlich immer wieder zum lesen aufraffen können, natürlich erst recht wenn es mit Vinylbeilage erscheint…
Danke an unsere Freunde und Familien für die Unterstützung!
Fight Fascism /// Fight Racism
Cheers