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So. Jetzt sitzen sie vor mir. Drei Bandmitglieder der freiburger Band Enraged Minority: Daniel, der „Gott sei Dank NUR“ singt, Adrian spielt „leider“ nur die Gitarre und übernimmt den Backgroundgesang und Niklas der den „grundsoliden“ Bass spielt. Jakob, von der Lohnarbeit geknebelt, kann gerade deswegen tragischerweise nicht anwesend sein und haut normalerweise auf dem Schlagzeug rum. Ihre Musik würden sie als Streetpunk mit Hardcore-, Ska- und Rock’n’Roll-Einflüssen bezeichnen. Dabei legen sie besonderen Wert darauf, dass ihnen die Musik selbst gefällt sowie den Inhalt der Texte. Diese handeln von Themen, die die Bandmitglieder beschäftigen, egal ob persönlicher oder politischer Natur. Im Herbst feiert die Band ihren sechsten Geburtstag. In diesen vergangenen sechs Jahren gaben sie vorallem europaweite Konzerte, da sie sonst „wohl eher weniger nach Moskau oder sonstwo zum Trinken eingeladen werden“. Europa haben sie tatsächlich bereits weitflächig abgegrast und blicken auf eine stolze Zahl von über 100 Konzerten zurück.

Was genau wollt ihr mit eurem Bandnamen ausdrücken und wie habt ihr ihn gefunden?

Wir hatten bereits eine Konzertanfrage in Schwäbisch Gmünd bevor es uns überhaupt gab. Also war die logische Schlussfolgerung herauszufinden, wer in unserer Band überhaupt mitspielen will und wie wir heißen wollen. Das „Rage“ im Namen zeigt eine gewisse Wut in der Musik aber auch in den texten. Das „Minority“ drückt aus, dass wir uns weder im musikalischen, noch im gesellschaftlichen Mainstream bewegen und damit immer eine Minderheit darstellen. Außerdem wollten wir eine gewisse „Streetpunk“-Mentalität zum Ausdruck bringen.

Wie kommt es, dass ihr so viel überregional spielt, gar europaweit?

Bevor es die Band gab, hat Daniel bereits viele Konzerte in diesem Genre organisiert. Diese bereits bestehenden Kontakte haben wir erbarmungslos ausgenutzt und uns in viele Vorprogramme von größeren Bands erfolgreich eingeschlichen. Außerdem werden wir viel eingeladen, weil wir seit unserem bestehen diszipliniert wöchentlich proben und daher, ohne überheblich klingen zu wollen, einfach unfassbar gut sind! Wir haben stets das eingehalten, was wir betrunken irgendwelchen Veranstaltern versprochen haben. Und wir haben viel betrunken versprochen! So kam des öfteren zu schier unmöglichen Aktionen, bei denen wir beispielsweise an einem Tag nach Paris für einen Gig gefahren sind, obwohl Daniel um fünf Uhr früh wieder arbeiten musste.

Welche Botschaft wollt ihr mit euren politischen Texten denn ausdrücken?

Die politischen Texte entstehen dadurch, dass wir einfach mit offenen Augen durch die Welt gehen, Dinge hinterfragen und Zusammenhänge herstellen. Außerdem versuchen wir auch Gegebenheiten aus anderen Perspektiven zu betrachten. Dabei fällt uns viel Scheiße auf, zu der wir das Maul aufmachen wollen. Dabei kann es um Polizeigewalt, Abschiebepolitik, Antifaschismus oder Soziale- bzw. Arbeiterkämpfe gehen. Im Grunde sind wir für emanzipierte Gesellschaftsformen, wollen damit jetzt aber nicht angeben, um unser Proll-Image nicht zu gefährden..

Worum geht es denn in den Liedern, bei denen der Inhalt eher persönlichen Charakter hat?

In den Liedern geht es um Freundschaft, Zusammenhalt, aber auch um das Unterwegssein mit der Band und das Tourleben. Auch ernstere Themen, wie das Aufarbeiten von biographischen Erfahrungen oder Erlebnissen werden behandelt. Doch wie bei den politischen Texten auch, sind es einfach Themen, die uns am herzen liegen.

Wenn ihr von eurem Tourleben redet, wie sehen denn da eure amüsantesten Erlebnisse aus?

Die eine witzigste Geschichte gibt es wohl nicht. Festhalten kann man allerdings, dass man uns das Attribut „Trinkfest“ zuschreibt. So kommt es dann auch zu solchen Situationen, bei denen die Wirte sich bei unserem Erscheinen die Hände über dem Kopf zusammen schlagen mit den Worten „Nicht die schon wieder“. Auch ergibt sich meist ein relativ hoher Eskalations- bzw. Spaßfaktor und inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass wir fast nie gemeinsam am dafür vorhergesehenen Ort aufwachen.

Welches sind denn die Länder in Europa, hinter denen ihr bereits ein Häkchen gemacht habt?

Deutschland, Schweiz, Frankreich, Belgien, Spanien, Italien, Polen, Tschechien, Ungarn, Serbien, Russland. Ach, ja, und Bayern natürlich. In Österreich haben wir immer nur bei der Durchfahrt unseren Müll abgeladen.

Wenn es euch schon seit 6 Jahren gibt dürft ihr hier kurz eure bisherigen Veröffentlichungen auflisten!

Wir haben bisher ein Album und eine Split-EP mit der französischen Band „Streets of Rage“ rausgebracht. Dazu kommen noch einige Samplerbeiträge in der Vergangenheit.
Dieses Jahr kommt noch ein Live-Split-Album mit „The Opressed“ raus. Die Aufnahmen dazu entstanden hier in Freiburg im Crash im Rahmen unseres 5-jährigen Jubiläums (also letztes Jahr). Außerdem arbeiten wir an unserem neuen Album, welches wir dieses Jahr noch aufnehmen werden. Auf unserer Seite www.enragedminority.blogsport.de findet man übrigens Lieder und News von uns. Auch über Youtube bzw. Google kann man sich unsere Kost reinziehen. Außerdem kann man auf diversen russischen Seiten unser Album illegal downloaden, wobei wir euch natürlich die Knie brechen, sollten wir euch dabei erwischen!