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Kirschtorte, Bauern, Schinken und CDU dürften wohl die Sachen sein, die den meisten spontan zum Schwarzwald einfallen. Allerdings gibts da unten im Südwesten noch sehr viel mehr, zum Beispiel sehr gute junge Bands. Unter den bekannteren waren Backslide ein sehr gutes Beispiel. Doch auch die unbekannteren Bands sind richtig gut. Zum Beispiel die Maladroits aus Schopfheim und die Enraged Minority aus Rheinfelden. Ich habe beide vor ungefähr nem Jahr in Freiburg beim No-Pasaran-Festival gesehen und muss sagen, dass sie live so einigen Punkrockgrößen locker die Show stehlen und einen Heidenspaß machen. Und da ich auch die Ehre habe, von beiden Bands Mitglieder zu kennen, dachte ich mir, mach ich mit beiden doch ein Interview. Beiden Bands wurden die selben Fragen gestellt, und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, haben die Maladroits die Fragen für die Minority beantwortet und umgekehrt.

THE MALADROITS

1. Stellt euch doch erstmal vor. Wer seid ihr, was macht ihr für Musik, wie lang gibts euch denn schon? Worum gehts in euren Texten? Habt ihr schon Tonträger draußen, und wenn ja, wie kann man sich die Teile zulegen?

Also wir sind die Maladro!ts und bestehen aus Marc Maladroit, Tom Maladroit, Malabert Droit und Sir Luki Droit. Wir haben uns im Sommer 2006 in Punk-Rock-City Schopfheim zusammengetan um die Punkszene mit zeitgenössischen 77’-Punk zu bereichern. Bereits im Herbst 2007 haben wir dann auf dem renommierten Punkrock-Label Hans-Mägerlein-And-The-Pfüüschtverteiler-Records unsere erste Single „Make The World Kaputt!“ veröffentlicht, die ihr euch bei Yamba runterladen könnt. Um unserem 77-Style gerecht zu werden, haben wir außerdem eine Split-Musikkassette mit Napoleon Dynamite mit Hilfe von Yakuzzi-Tapes unseren Scharen von Fans zugänglich gemacht. Zudem planen wir seit geraumer Zeit eine 7“-Single herauszubringen. Dass es bisher nicht geklappt hat, lässt sich auf die Schlampigkeit anderer zurückführen. In unseren lyrisch höchst anspruchsvollen textlichen Meisterwerken, erörtern wir meist das Für und Wider von sozialen In- und Exklusionsmechanismen.

2. Wer sind eure Einflüsse oder Vorbilder?

Ein sehr wichtiger Einfluss für uns sind die Ramones. Als Anspielung darauf haben wir uns alle den dämlichen Nachnamen „Droit“ gegeben, was auf esperanto grob übersetzt „Vollbenziner“ oder auch „Senkrechtstarter“ bedeutet. Anfangs dachten wir, Pioniere in unserer Sparte zu sein, später stellte sich allerdings zu unserer aller Empörung heraus, dass es doch die ein oder andere ähnliche Band geben soll. Daher kommt es auch, dass einige Personen uns gewisse Ähnlichkeiten zu den Shocks, Briefs oder Tatort Toilet nachsagen. Vorbilder haben wir natürlich keine, denn Vorbilder sind scheiße und alles andere als Punkrock.

3. Ihr kommt ja teilweise schon ganz schön weit rum. Wo (außer in Südbaden ;) hats euch denn bisher am besten gefallen?
Habt ihr irgendwelche Empfehlungen, in welchem Laden man unbedingt mal gewesen sein muss?

Ein Highlight unserer jungen Bandgeschichte war unbestritten unsere Sommer-Tour 2009 quer durch Deutschland. Soviel Schwachsinn wie wir in diesen 10 Tagen gemacht, geredet und gedacht haben schafft Jim Carry nicht in einem Jahr. Gott sei Dank hatten wir Hans Mägerlein, unseren Manager mit dabei, sonst wären wir wohl nie pünktlich und wohlbehagen an einem Ort angekommen.

4. Ihr habt ja beide auch schon mit so einigen Bands zusammen gespielt. Mit wem hattet ihr denn bisher die besten Erfahrungen?

Ohje da gab’s einige coole Bands. Am meisten Spaß macht’s natürlich mit Kumpanen wie ENRAGED MINORITY, oder auch mit Tatort Toilet oder Napoleon Dynamite. Sehr cool war natürlich auch unser Auftritt mit den Adicts. Neben diesen regulären Auftritten pflegen wir zudem unter dem Synonym „De Ihnedänglerz“ die Gewohnheit zu verschiedenen Anlässen, eher volkstümlicher Natur, unsere Lieder in abgeänderten Versionen zum Besten zu geben.

5. Wo würdet ihr denn unbedingt mal gerne spielen?

Wo wir als nächstes spielen wissen wir meistens erst wenn wir dort ankommen. Für das Organisatorische ist ganz allein unser Mentor und Vaterersatz Hans Mägerlein verantwortlich. Meistens fährt er sogar unseren Tourbus, holt uns vor der Haustür ab, schaut, dass keiner verloren geht, spendet Trost bei kleineren Wehwehchen, hat allerlei Schnittchen und Knabberkram dabei und bringt uns sicher wieder heim.
Ein großer Traum von uns vieren ist es, zum siebten Mal in Folge am jährlichen Heinzrock am Lütschenbacher Steinbruch zu spielen.

6. Und bei euch zuhause? Was geht da so szenemäßig?

Obwohl wir auf dem Dorf leben haben, wir hier eigentlich alles was wir brauchen. Mit dem Café Irrlicht in Schopfheim einen guten Punkrock-Club in Selbstverwaltung, mit dem Indiepunk in Lörrach einen sehr gut sortierten Plattenladen, Basel ist direkt nebenan und Freiburg, Bern und Zürich nicht weit.

7. Wie siehts denn mit Skinheads bei euch in der Gegend aus? Habt ihr viele Grauzonen-Ois oder ist der Großteil eher „SHARP-Unpolitisch“?

Naja, wie es mit den Skinheads halt so ist. Eigentlich geben alle vor SHARP zu sein, aber ein paar von ihnen sind einfach nicht konsequent. Es gibt sehr coole Glatzen bei uns, die auch politisch cool sind und Nazis aufs Maul hauen, aber halt auch andere, aber zu denen hat uns Hans Mägerlein sowieso dem Umgang untersagt und dass ist wohl auch besser so.

8. Nun sind wir ja auch kein Unpolit-Fanzine und unsere Leser interessiert natürlich auch, obs bei euch Redskins oder sogar ne RASH-Gruppe gibt und wenn ja, was in der Richtung so im wilden Süden los ist.

Also hier gibt’s schon einige Leute die sich als Redskin bezeichnen. Mit der Straight Ahead Crew gibt es auch eine Konzertgruppe die dem RASH-Ding sehr nahe steht. Leider läuft da aber auch nicht soo viel. Eine RASH-Gruppe gibt es nach unserem Wissensstand nicht.

9. Habt ihr bei euch viele Probleme mit den Jungs und Mädels von der Opposition (Faschopack) oder ist es eher entspannt, so dass man auch mal ohne Stress feiern gehen kann?

Ja Faschos gibt’s bei uns leider in jüngster Zeit schon einige. Aber wir haben keine Angst vor diesem kümmerlichen Pack, denn wenn wir mal Ärger haben, rufen wir die Jungs von ENRAGED MINORITY zur Hilfe. Das sind gewalttätige Skinheads und retten uns dann den Arsch.

10. Gibts sonst irgendwas, was man bei euch unbedingt mal gesehen haben muss oder Bands aus eurer Ecke, die man sich unbedingt mal anhören sollte?

Die einzig wahre Band außer uns ist wohl ENRAGED MINORITY. Neben ENRAGED MINORITY gibt es noch weitere coole Bands wie The Living Things, Room 101, Radiated Men Eating The Flesh Of Radiated Men oder Blue Rockin’ – um nur einige zu nennen – bei uns in der Region.

11. Vielen Dank für das Interview! Habt ihr irgendwelche „letzten Worte“, die ihr noch zum Besten geben wollt?

An erster Stelle möchten wir selbstredend Hans Mägerlein ein dickes, fettes „DANKE“ sagen, für alles was er bisher für uns getan hat. Tausend Dank Bruder! Dann möchten wir unsere Freunde vom örtlichen Bingoclub grüßen mit denen wir jede musikfreie Minute verbringen. Und natürlich einen Dank an unsere Homies von ENRAGED MINORITY für das Interview und deiner Mama. In diesem Sinne: MAKE THE WORLD KAPUTT

ENRAGED MINORITY

1. Stellt euch doch erstmal vor. Wer seid ihr, was macht ihr für Musik, wie lang gibts euch denn schon? Worum gehts in euren Texten? Habt ihr schon Tonträger draußen, und wenn ja, wie kann man sich die Teile zulegen?

OiOi! Enraged Minority sind Kanisterkopf Niklas am Bass, Peanutboy Adrian an der Gitarre, streetfighting Daniel the Butcher hochjauchzend am Mikrophon und Straight Edge Ex- Schnapsgorilla Daniel an den Schlagstöckererz. Wir machen Streetpunk und wollen genauso klingen wie die Stage Bottles, das heißt wir lassen uns nicht in die Ficken-Saufen-Schrammel-Oi-Schublade stecken, sondern sind strictly antifascist holterdipolter-Schrammel-Oi mit sozialkritischen und politischen Texten, von denen die Maladro!ts nur träumen können. Seit 1981 haben wir unzählige Tonträger veröffentlicht, die allerdings alle vergriffen sind (Auf Ebay zahlt man Unsummen), bis auf den aktuellen Tonträger, den es bei uns, Diffidati-Records oder diversen Mailordern zu kaufen gibt.

2. Wer sind eure Einflüsse oder Vorbilder?

In allererster Linie David Hasselhoff wegen seiner Männlichkeit und seinem übermäßigen Alkoholkonsum, aber auch Vin Diesel, Zapata, ABBA und the Oppressed haben uns maßgeblich beeinflusst.

3. Ihr kommt ja teilweise schon ganz schön weit rum. Wo (außer in Südbaden ;) hats euch denn bisher am besten gefallen? Habt ihr irgendwelche Empfehlungen, in welchem Laden man unbedingt mal gewesen sein muss?

Uns gefällt es überall wo man den Vinocrudo-Stomp tanzt.

4. Ihr habt ja beide auch schon mit so einigen Bands zusammen gespielt. Mit wem hattet ihr denn bisher die besten Erfahrungen?

Am liebsten spielen, schmusen und trinken wir mit den Maladro!ts. Ein weiterer Live-Meilenstein war das Konzert mit der Feuerwehrblaskapelle aus Aftersteg im Schwarzwald. Feuchte Höschen hatten wir bei den Stage Bottles, Angelic Upstarts, Oppressed, Brigada und anderen Szenegrößen. Nicht so toll war’s mit J`aurais Voulu.

5. Wo würdet ihr denn unbedingt mal gerne spielen?

In Hannis Tanzkaschemme oder in einem Panzer.

6. Und bei euch zuhause? Was geht da so szenemäßig?

Das einzige Autonome Zentrum ist das Café Irrlicht in Schopfheim, bei dem wir auch teilweise aktiv sind und das Trottoir-Fest in Rheinfelden, da rockts auch. Des Weiteren gibt es das grandiose Holzrock-Open-Air und einen Haufen Bands aus dem gleichen Gen-pool.

7. Wie sieht’s denn mit Skinheads bei euch in der Gegend aus? Habt ihr viele Grauzonen-Ois oder ist der Großteil eher „SHARP-Unpolitisch“?

Es gibt ein paar wirklich fitte Skinheads, aber auch einige, zu viele Glatzen, die immer mehr Richtung Grauzone tendieren.

8. Nun sind wir ja auch kein Unpolit-Fanzine und unsere Leser interessiert natürlich auch, obs bei euch Redskins oder sogar ne RASH-Gruppe gibt und wenn ja, was in der Richtung so im wilden Süden los ist.

Eine feste RASH-Gruppe gibt es nicht, dafür ein paar wenige fitte Redskins und Antifa-Gruppen, die sich vom braunen bzw. unpolitischen Pöbel nicht unterkriegen lassen und diesen sachkundig bearbeiten.

9. Habt ihr bei euch viele Probleme mit den Jungs und Mädels von der Opposition (Faschopack) oder ist es eher entspannt, so dass man auch mal ohne Stress feiern gehen kann?

Ohne Stress feiern geht meistens, da wir uns in nazifreien Milieus bewegen. Begibt man sich auf diverse Bauern- oder Dorffestivitäten sieht es anders aus. Des Weiteren gibt es definitiv eine zunehmend wachsende Naziszene, die nicht zu unterschätzen ist. Nennenswert wären hier der geplante aber durch die Antifa verhinderte Bombenangriff auf die KTS in Freiburg, einzelne Angriffe auf Antifaschisten, Flyerverteilungen, öffentliches Feiern des Rudolph Hess Todestages und das Gründen diverser Vereinigungen wie einer JN oder aktuell der AG Lörrach. Ein nützlicher, leider veralterter Link:
http://no-nazis-loerrach.blogspot.com/

10. Gibt’s sonst irgendwas, was man bei euch unbedingt mal gesehen haben muss oder Bands aus eurer Ecke, die man sich unbedingt mal anhören sollte?

In allererster Linie wäre das Güggeli- und Rettich-Fest in Schopfheim zu empfehlen. Niklas und Daniel spielen noch in einer Grindcore-Massaker-Band namens Radiatedmeneatingthefleshofradiatedmen.
Außerdem sind die Maladro!ts, Carson Girls, Living Things, Room 101, Brannigans, Mister Bronko (RIP), Doctor Octocock, Blue Rockin, Butthole Distortion, the Lubbers, Colored Models, HAM aus Schopfheim bzw. Lörrach wärmstens ans Herz zu legen. Außerdem gibt es in Freiburg noch nen Haufen cooler Sachen, allerdings mit den falschen Genen.

11. Vielen Dank für das Interview! Habt ihr irgendwelche „letzten Worte“, die ihr noch zum Besten geben wollt?

OiOiOi Fuck and destroy, do the vinocrudo-stomp & don`t fuckin mess with us!!!

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