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In dieser Ausgabe von „Unsere Stadt“ warten wir erstmalig mit einem Bandinterview auf. Zum einen um die Zeitung mit einem weiteren Format zu bereichern, zum anderen weil die vier Jungs von Enraged Minority einfach gute Musik machen, die wir unserer Leserschaft nicht vorenthalten wollen. Wir trafen uns mit ihnen im neu entstehenden Linken Zentrum auf ein nettes Interview:

Ihr macht jetzt schon seit einigen Jahren mit eurer Musik unsere Region und weite Teile Europas unsicher. Könntet ihr versuchen für unsere LeserInnen euren Stil kurz und knapp zu beschreiben?

Beginnt man mit einer Einordnung in verschiedene Musikstile, so kann man unsere Musik wohl dem Genre Punkrock zuordnen. Wem diese Einordnung allerdings zu ungenau erscheint, dem würden wir unsere Musik als einen Mix aus klassischem Oi! und 80er Jahre Hardcore-Punk mit Rock’n’Roll und Ska Einflüssen beschreiben.

Eure Lieder sind eigentlich immer politisch, vor allem klar antifaschistisch, warum findet ihr politische Dinge so wichtig, dass ihr sie in fast jeden Song einbaut?

Wir schreiben nicht durch die Bank politische Texte, sondern einfach über alles was uns beschäftigt. Dabei behandeln wir Themen wie Freundschaft, Feiern, das Touren mit der Band und eben auch Politik, da Politik ganz einfach das gesellschaftliche Leben regelt und somit auch für einen Großteil der Missstände verantwortlich ist, die unser tägliches Leben betreffen. Daher beziehen wir zu Themen wie bspw. sozialen Ungleichheiten, Diskriminierung, Rassismus und Faschismus klar Stellung.

Was meint ihr? Seid ihr gerade wegen oder trotz eurer politischen Songs erfolgreich?

Wir denken in unserem Fall ist es tatsächlich so, dass wir uns durch unser politisches Bewusstsein einen Namen gemacht haben. Schließlich spielen wir viele Konzerte in politischen Zusammenhängen, verzichten dabei auf horrende Gagen und versuchen so verschiedene Sachen und/oder Personen zu unterstützen.

Ihr wart in den vergangenen Jahren oft über lange Zeit auf Tour. Wie schafft Ihr es euch so häufig bzw. lange aus eurem Alltag ausklinken zu können?

Wirklich viele Touren im klassischen Sinne, so dass wir für mehrere Wochen in einem klapprigen Bus durch die Welt fahren, haben wir noch gar nicht bestritten. Im Dezember 2008 fuhren wir für sechs Tage quer durch Deutschland und im September letzten Jahres haben wir eine zehntägige Tour durch Frankreich gespielt. Ansonsten bestehen unsere Touren eigentlich aus Wochenendausflügen mit je einem Auftritt am Freitag- und Samstagabend. Gelegentlich hängen wir noch ein oder zwei Konzerte am Donnerstag und/oder Sonntag an, die Regel ist das allerdings nicht.
Möglich werden solche Konzertreisen nur durch eine längerfristige Planung und eine gute Kommunikation innerhalb der Band. Da wir alle von Lohnarbeit abhängig sind, müssen wir dafür Urlaubstage opfern und diese auch tatsächlich alle gleichzeitig bekommen.

Könntet ihr unsere LeserInnen mit eurem lustigsten und eurem schrecklichsten Tourerlebnis vertraut machen?

Das sind mittlerweile einige Geschichten, die wir hier zum Besten geben könnten. Zum Zeitpunkt der Abfahrt werfen wir unsere gute Kinderstube regelmäßig über Bord und erleben beinahe an jedem Konzert wirklich witzige manchmal aber auch schreckliche Geschichten.
Asche auf unser geschorenes Haupt, es kam tatsächlich schon vor, dass sich jemand aus unseren Reihen ein Bierchen zu viel erlaubt hatte und dann etwas orientierungslos durch die fremden Gassen einer südfranzösischen Stadt irren musste um unsere Schlafmöglichkeit zu finden. Nachdem irgendwann der ein und der selbe Brunnen zum wiederholten Male aus unterschiedlichen Richtungen angesteuert wurde, beschloss die betreffende Person schlussendlich, dass es in dieser verfahrenen Situation womöglich das Beste sei, es sich auf der nächstgelegenen Parkbank gemütlich zu machen. Wirklich knifflig wurde die Angelegenheit aber erst als versucht werden musste, den Polizeibeamten ohne nennenswerte Französischkenntnisse zu vermitteln, dass man nicht obdachlos sei, sondern sich schlichtweg nicht auskenne und deshalb beschloss die Sache einfach bis zum nächsten Morgen auszusitzen, um sich von seinen Freunden abholen zu lassen.

Was sind eure Pläne für dieses Jahr? (Wohin geht die Reise? Erscheint ein neues Album und vor allem: Wann spielt ihr mal wieder in Freiburg?)

Dieses Jahr stehen verschiedene Dinge auf unserer Agenda. Eine Tour für 2012 haben wir bisher nicht geplant, denn wir sind fleißig am Proben und schreiben Lieder für ein neues Album, das wir 2013 veröffentlichen wollen. Zudem erscheint demnächst eine 7-Inch Vinylschallplatte gemeinsam mit der französischen Band „Streets Of Rage“. Trotzdem werden wir einige Konzerte spielen, um möglichst jede an uns gerichtete Konzertanfrage auch annehmen zu können.
Im Herbst dieses Jahres wollen wir dann unser fünfjähriges Bandjubiläum mit einem Konzert in Freiburg feiern. Die Planungen hierzu sind im vollen Gange, allerdings ist es derzeit noch zu früh um diese Veranstaltung öffentlich zu bewerben. Nur soviel vorneweg: Ihr dürft euch freuen, denn es wird ein ganz besonderer Leckerbissen werden.

Vielen Dank für das Interview!